Darstellung

Im Zentrum eines Dorfes am fuße der Karpaten, auf dem dunkelgrünen Fond des Tannenwaldes erhebt sich eine einfache Kirche, deren Außenmauern mit Fresken verziert sind  – die Kirche des Heilige Kloster Voronetz. Das Gebäude sieht wie ein weit geöffnetes beleuchtetes Evangeliar aus. So wollten es einst die anonymen Maler und diejenige, die diese Malereien bestellten: die mit Fresken versehenen Wände mussten die Lehre der Heiligen Schrift den Zuschauern darstellen. Und so erscheint sie auch nun, vor den Augen der Zuschauern von der ganzen Welt, berührt von der Entdeckung mitten einer harmonischen Natur, eines harmonischeres seit 500 Jahre von geschickten Hände entrichteten Gebäudes, das ihren Glauben und Lyrismus durch Stein und Farbe äußert.

Die Kirche des Klosters Voronetz ist die Stiftung des gepriesenen Fürsten Stefan des Grossen und Heiligen, und sie wurde im Jahre 1488 nur während drei Monate und drei Wochen  entrichtet (von 26 Mai bis am 14 September) .

Die Fachleuten meinen, dass ihre Architektur für den moldauischen Stil vertretend ist; sie ist eine originelle und spezifische Synthese der byzantinischen Elemente (die kleeblattförmigen oder die dreikegelförmigen Apsiden des Kirchenschiffes, die Verteilung in Altar, Kirchenschiff, Vorschiff, das Kuppelsystem) und der Elemente des späten gotischen Stils (die Höhe der Kirche, die Gegenmauern, die Rahmen der Türe und der Fenster im gebrochenen Bogen, die  Behandlungsart des gehauenen Steins). Es kamen noch Elemente der autochthonen Kunst hinzu (die Einfachheit und das intime Charakter des Bauten, das kegelförmige Dach aus laubgesägten Schindel, wie an den Häuser auf dem Land), die sie in einem einzigartigen schönen Ganzen vereinigten. [ ]

Die Kirche des Klosters Voronetz, graziöses, einfaches und reizendes Schiff aus Stein beeindruckt durch Vertikalität, durch harmonischen Maße, durch die Standfestigkeit der Struktur, der massiven Mauern mit Gegenmauern und insbesondere durch den geschickten Übergang vom rechtwinkligen Körper des Gebäudes zu den seitlichen Apsiden und zu der großen Apside, alle halbkreisförmig, die dem Altar entspricht.

Von den archaischeren und strengeren Vorbilder der byzantinischen Ikonographie beeinflusst, beeindruckt die im Jahre 1496 durch die Sorge des großen Stifters durchgeführte  innere Malerei durch die Klarheit und die Strenge der Ikonographie, durch die kräftige Zeichnung, die Farbenskala mit tiefen Tone, durch die unstereotypische und unkonventionelle Expressivität der Gestalten.

Im Unterschied zu den anderen Stiftungen des Fürsten ist die Kirche des Klosters Voronetz einzig dadurch, dass sie ganz vom Anfang ein Votivdenkmal ist. Es ist bekannt, dass der moldauische Fürst viele Kirche und Kloster bauen und renovieren ließ [48], aber die heilige Geschichte von Voronetz bringt neben Stefan des Grossen, den gottesfürchtigen Pfarrer Daniil,  einen der größten im Moldau geborenen Heiligen, berühmten Einsiedler und Beichtiger, der an Putna, in einer kleinen in Stein gehauenen Einsiedelei, und dann während 20 Jahre an Voronetz eine unvergleichbare hesychastische Bewegung geschaffen hat. Die Sage des „Ursprungs“ des Heilige Kloster Voronetz vereint die zwei Persönlichkeiten in unserem Nationalschicksal für immer:

”Und Fürst Stefan ging von der Burg Neamt aus bis hinauf zur Moldau. Als er an Voronetz vorbeikam sah er einen Mönch, mit Namen Daniel. Als Stefan an der Tür des Einsiedlers klopfte, dieser möge ihm öffnen, erhielt er nur die Antwort, er solle warten bis der Einsiedler sein Gebet fertig spreche. Und als sein Gebet fertig gesprochen war, bat der Mönch, Stefan in sein Kämmerchen. Nachdem Stefan gebeichtet hatte, sagte er ihm, er könne nicht mehr gegen die Türken kämpfen und ob er das Land aufgeben solle. Und der Mönch sagte ihm er solle das Land nicht den Türken überlassen sondern kämpfen, denn dies werde sein Krieg sein und er wird siegen und werde hier ein Kloster im Namen des Heiligen Georg erbauen”.[Ion NECULCE]

Der gottesfürchtige Einsiedler Daniil, der erste geistliche und betende Berater des Fürsten Stefan ist im Vorschiff der Kirche Voronetz begraben; 47 Jahre nach seinem Tod ist er als Heilige auf der Südfassade  und im Orthodoxen  Kalender von der Vorhalle bemalt. Sein schöpferischer Geist überwachte und überwacht noch das gute Werk, welches das Vergängliches mit dem Dauernden und das Vorübergehendes mit dem Verbleibenden ersetzt.

Im XVI Jahrhundert – genauer 1547 – hat sein Lehrlinge, der Metropolit Grigorie Roşca, Gelehrte  mit verschiedenen Beschäftigungen die Kirche vergrößert; er ließ auf der westlichen Seite eine geschlossene Vorhalle anbauen und dann das ganze Gebäude mit Malereien auf den Fassaden  verzieren. Dann wurde auch das Innere der Vorhalle bemalt. Dafür ist der Metropolit Grigorie Roşca als der dritte große Stifter des Kloster Voronetz – neben Stefan dem Großen und dem Heiligen Einsiedler Daniil betrachtet.

Die Fresken der Außenmauern von Voronet, die nach einem Jahr nach dem Tod von Petru Rares gemacht wurden, gehören der Epoche dieses Fürsten (neben Probota, Humor, Moldoviţa, Arbore). Der angenommene Autor dieses Meisterwerkes der Renaissance im Süd –  Osten Europas  ist der Bezirkshauptmann Marcu.

Auf einem stark hellblauen Hintergrund fügen sich die Außenmalereien von den Fassaden als ein farbiger Teppich zusammen, und entzücken die Zuschauer durch den jugendlichen Zauber der Harmonien. Die Zeichnung ist fest, männlich, die Gestalte sind mit der Strenge  eines authentischen Porträts gebildet; der Sinn der Wirklichkeit ist hier intensiver als bei anderen Denkmale. Die außerordentliche künstliche Qualität  dieser Malereien besteht in der monumentalen Darstellung, in der zierenden Schönheit der Komposition, in der geschickten Alternation der in Registern und Tafel geordneten  Themen und derjenigen von den Friesen. [ ]

Am Westen hat die Vorhalle keine Öffnung und die Lösung ist präzedenzlos: die Architektur unterliegt der Dekoration, die bemalt werden sollte. Der weite Raum und die seitlichen Flächen der massiven Gegenmauer werden eine riesige Szene, wo in hellen Farben das berühmte  Drama des Jüngsten Gerichtes – eine riesige einzige Komposition in der Kunst des ganzen christlichen Orients aufführt. Das Jüngste Gericht, das ohne die späteren schrecklichen Gestalte vom Westen  erscheint und als eine festliche Ruhe dargestellt ist, zeigt zuerst wie der Plan des Vaters betreffs Seiner Welt durch Seinen Sohn, der Sie richtet und erlöst, erfüllt wird.

Die anderen Fassaden der Vorhalle sind für die Darstellung einiger von der Metropolit Grigorie Roşca besonders beliebten Themen benützt – gegen Süden, das Leben des Heiligen Nikolaus und des Heiligen Johannes dem Neuen von Suceava und auf der Gegenmauer der Heilige George tötend den Drachen und gegen Norden die Zollstellen der Luft, ein an den Mönchsgebäude häufiges eschatologisches Thema.

Auf die Außenwände des Vorschiffs und des Kirchenschiffs (die Kirche des Heiligen Stefan des Großen) folgt die Ikonographie die traditionellen Züge. Erwähnungswert ist die weite Darstellung des Mönchsordens, nämlich der Himmelshierarchie und Erdighierarchie die immer auf den Wänden der Apside des Altars und auf den anliegenden Wänden  des Kirchenschiffs und der seitlichen Apsiden dargestellt ist: die Prozession aller Heiligen vom Alten und Neuen Testament macht sich nach Osten, wie nach einem Ziel auf. Das zweite Thema von der Südfassade vor dem Vorschiff stellt Baum Jesses  oder den Stammbaum. Der dritte Thema, unausbleiblich vom Programm der Außendekoration dieser Zeit ist die Hymne Lobgesang, die an Voronetz auf die Nordfassade  dargestellt ist.

Und trotzdem gibt es drei Elemente, die von dieser Ordnung herauskommen.

An das Kloster Voronetz ist die Malerei, mehr als überall, vorerst ein Gebet für die Niederlage der ottomanischen Eindringlinge und die Rettung der nationalen Unabhängigkeit. Die Art der Darstellung  unter den Sündern von der großen Komposition – das Jüngste Gericht – der damaligen gefährlichsten Feinde des Landes, der Türken (die schöngeschriebene Inschrift präzisiert, dass es sich um Türken handelt, um den Platz der damaligen Feinde der Moldau immer besser festzustellen), oder der alten Feinde, der Tataren bestätigt eine solche politische Absicht, die auch für die Prozessionen der religiösen gestalten von den Apsiden und Baum Jesses charakteristisch ist. Um diese Idee zu verstärken, stellte der Meister von Voronetz auf die Südfassade, detailliert, in 12 Episoden das Martyrium des Heiligen Johannes des Neuen und die Überführung seiner Reliquien nach Suceava während der Herrschaft von Alexander der Gute dar. (Der Heilige Johannes der Neue wurde von Tataren, Alliierten der Türken gemartert, die  oft Schmerz in Moldau brachten.)

Eine zweite spezifische Charakteristik besteht in der Beharrlichkeit auf die Tradition der Mönchen und der Einsiedler  als Leader der Widerstand vor fremder Herrschaft durch die Themen des Lebens des Heiligen Nikolaus, des Lebens des Heiligen Antonie (einer der Gründer des östlichen Mönchswesens), und durch die Zollstellen der Luft, in der Tat, die Verherrlichung des reinen Lebens der Einsiedlern.

Endlich wird an Voronetz, mehr als in allen anderen Klostern, das von den Malern gekannte und mit Begeisterung und Natürlichkeit wiedergegebene Leben dargestellt: Eva spinnt wie eine Hausfrau, Adam ackert wie ein Bauer, mit einem Pflug mit Ochsen, Abel sieht neben der Schaffherde wie ein Hirt aus, der Feuerwagen, mit welchem der Heilige Elias zum Himmel gestiegen ist, ist ein einfacher Bauernwagen, die Hausmenschen des Herren von der Parabel des Verlorenen Sohnes tanzen in einem moldauischen Reigen, die Frauen mit aufgelöstem Haar begleiten klagend einen Tote nach der letzten Ruhestätte, so wie man bis heutzutage in den rumänischen Dörfern sehen kann. Auf den Außenwänden aber auch im Inneren – besonders in der Vorhalle – entdecken wir biblische Szenen, wo die Menschen Volkstrachten haben und einige hohen Beamten scheinen Bojaren aus der Moldau von Rares zu sein. Sitzbänke, Lehnstühle, Teppiche, Handtücher erinnern an gleichartigen moldauischen Gegenständen. Die Waffen sind von der Moldau vom XVI Jahrhundert (der Bogen mit Pfeile, das Schwert, der Speer, der Schild u.s.w.); die Musikinstrumente auch (im Jüngsten Gericht blasen die Engel auf moldauischen Alpenhorne und der König David spielt Laute!). Oft erscheinen Tiere und Blumen, die auch „örtlich“ sind. (das Reh, das Wildschwein, der Wolf, das Eichhörnchen, der Bär, der Hirsch, der Hase, die Forelle, die Glockenblumen, die Tulpen, u.s.w.).

Außer der Architektur und der Malerei mit den oben genannten Werte bewahrt das Heilige Kloster Voronetz ein Reichtum von der Mittelalterkunst: die Steinplatten der Gräber vom Vorschiff und von der Vorhalle, mit besonders wertvollen dekorativen Motive, der Lehnstuhl und die Kirchenstühle mit Ornamente von kunstvoll zusammengestellten verschiedenen Stile, die sich unauffällig im Rahmen der Architektur eingliedern, ohne den Raum zu stören oder mit der Wanddekoration zu konkurrieren. Wahre Meisterwerke in der Holzskulptur sind die Altarwand. Erwähnungswert sind auch viele andere Stücke, die in verschiedenen Sammlungen und Museen befunden werden können: Epitaphe, große Stickereien und der Eisenbeschlag, den der Metropolit Grigorie Roşca dem Kloster Voronetz geschenkt hat (1557), der die Neuheit einer dekorativeren Interpretation bringt, und der auf die Hinterseite die Gestalt des Heiligen Daniil in einer prächtigen, von einer Ikonmodel inspirierter Interpretation hat.

Während mehr als drei Jahrhunderte – bis am Ende des XVIII Jahrhundertes – hat das Heilige Kloster Voronet, Stätte mit hohem geistlichen Leben, unter dem Einfluss des gottesfürchtigen Daniil, eine Doppelmission übergenommen: kulturell und erzieherisch: „vom Kirchenstuhl vermittelten sie uns die reine Orthodoxie  und die Vaterlandsliebe.“ (I.P.S. Pimen) Hier haben viele Priester, Abte, Mönche und hohe Beamten des Landes studiert und die geistlichen Schwierigkeiten gelernt. Das mittelalterliche Kloster Voronetz war eine wahre Schule für Schönschreiber, Miniaturmaler und Übersetzer für die griechische und slawonische Sprache, wo man viel für die Bildung der Nationalsprache und für ihre Einführung in unserem orthodoxen Kult   arbeitete.  Es ist besonders berühmt durch zwei der ältesten rumänischen Manuskripte: der Kodex von Voronetz und der Psalter von Voronet, die im XVI Jahrhundert abgeschrieben wurden.

Es folgten zwei Jahrhunderte von Verarmung der authentischen nationalen, kulturellen und mönchischen Neigung.

1785 zählt es zu den 23 Klöstern, die nach der Einverleibung dieses Nordteils der Moldau am österreichischen Reich  abgeschafft wurden. Die etwa hundert Mönche wurden zum Verlassen des Klosters gezwungen; die Mönchszellen werden allmählich Ruinen. Im Laufe der Jahre gründeten die ehemaligen Arbeiter auf dem Land des Klosters das Dorf Voronet; die Kirche wurde für die Abhaltung des Gottesdienstes für die Gläubigen benutzt.

Am Anfang des XX Jahrhunderts, nach der Großen Vereinigung (1919) bringen die kulturellen und politischen Persönlichkeiten den historischen und den künstlerischen Wert der alten Stiftung im Bewusstsein zurück, die heilige Stätte ist für historisches Denkmal erklärt, die Zahl der inländischen und ausländischen Besucher wächst immer mehr an.

In der kommunistischen Zeit wird die wahre Identität der Stätte in den Schatten gestellt: man besuchte «das historische und künstlerische Denkmal von Voronetz». In Berücksichtigung des künstlerischen Werts ist dieses Denkmal für «ein Museum  der Architektur und der Malerei von der Zeit Stefan des Grossen» betrachtet und von der Benützung in einem anderen Zweck geschützt. Allmählich werden die Kerzen und die Gottesdienste in der Kirche verboten. [ ] Es werden einige Restaurationsarbeiten durchgeführt; das Schutzdach wird vergrößert um die Außenmalerei zu schützen; es werden auch Arbeiten für die Beseitigung der Feuchtigkeit durchgeführt, die einige Fresken drohte, Arbeiten für die Konsolidierung einiger Mauerteile, die Schaden erlitten, Arbeiten für die Reparatur und die Verstärkung des Fußbodens.

Nach 206 Jahre, im Jahre 1991 entschied die Heilige Synode der Rumänischen Orthodoxen Kirche «die Wiedergründung  des Klosters von Voronetz als Nonnenkloster», und als erste Äbtissin des Klosters Voronetz wurde die Priesterin Irina PÂNTESCU genannt.

Der sanfte, schweigsame Einsiedler Daniil, der Wundermacher, einer der großen Heiligen  der Moldau und der orthodoxen Welt, ein Stifter des rumänischen Geistes wartet auf uns in das Heilige Kloster Voronetz um uns zu lehren, die Spiralen der Innerlichkeit in der blendenden blauen Licht des Lebens zwischen Geist und Wahrheit zu steigen. Gründendes Blau. Führendes Blau. Kreuzigendes Blau. Reinigendes Blau. Liebendes Blau.

Voroneț, Monahia Gabriela Platon, Mănăstirea Voroneț, 2007